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Am 21.01.2012 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung einen Artikel unter dem Titel “Betriebsstörung” von Michael Hornstein, der in der Jazz Szene, aber im speziellen im sozialen Netzwerk Facebook, für reichlich Diskussionsstoff sorgte. Der vielsagende Untertitel des Artikels der Süddeutschen Zeitung lautete:
“Der Jazz hat in Deutschland keine gesellschaftliche Relevanz mehr.”
Ob die Aussage so stehen gelassen werden kann oder nicht, sei erst einmal dahingestellt, jedoch war dies anscheinend der Tropfen, der unter deutschen Jazzmusikern das Fass zum überlaufen brachte und zu ausgiebigen und kontroversen Diskussionen führte.
Wie alles begann:
Im Dezember 2011 regte sich unter einigen Jazzmusikern erstmals etwas Widerstand gegen die sich verschlechternden Arbeitsbedingungen und fehlenden gesellschaftlichen Akzeptanz. Dies führte schließlich zu dem Jazz-Musiker-Aufruf, den ca. 200 Musiker mittrugen. (Link s.u.)
Diesen Aufruf nahmen nun einige Journalisten zum Anlass sich doch wieder einmal mit Jazz zu beschäftigen. In den letzten Jahren verschwand Jazz anscheinend mehr und mehr aus dem Bewusstsein des Feuilletons. Bis auf einige Nachrufe berühmter amerikanischer Jazzmusiker war dort kaum noch etwas über die nationale Szene zu erfahren.
Die Wochenzeitung “Der Freitag” veröffentlichte am 11.01.2012 einen Artikel von Jörg Augsburg mit dem Titel: Jazz hat´s. …Nicht, der ebenfalls nicht sehr wohlmeinend mit der deutschen Jazzszene umsprang. Nach Ansicht des Verfassers tun sich Jazzmusiker vor allem dadurch hervor, zu meckern und zwar … über ”zu wenig Auftrittsmöglichkeiten mit überdies lächerlichen Konzertgagen, Geringschätzung von Seiten der Kulturpolitik, Verteilungsgerechtigkeit zu Gunsten der „Hochkultur“, zu viel teuer qualifiziertes Künstlerpersonal mit zu wenig Förderung, internationale Bedeutungslosigkeit”.
Der Artikel bietet eine durchaus gerechtfertigte Analyse, mit dem in meinen Augen etwas fatalistischen Resümee, “Dem Jazz wurde schon oft versucht wieder auf die Beine zu helfen… mit der Konsequenz: Es half noch nie!”
Organisator/ Moderator des sich allmählich regenden Widerstands seitens der Jazzmusiker, ist Florian Ross, ein vielbeachteter und engagierter Musiker aus dem Kölner Raum, auf dessen Facebook Seite viele bekannte Jazzmusiker des Landes und interessierte Musikliebhaber miteinander diskutierten und als Antwort nun an einem Leserbrief arbeiten.
Meiner Ansicht nach entwickelte sich dort eine interessante Diskussionen, trotz aller Polemiken und subjektiven Betroffenheit, zu der ich ebenfalls mit einigen Gedanken beigetragen habe:
… Gewiss die Debatte um die Akzeptanz des Jazz, die Stellung seiner Künstler und ihrem Verhältnis zu populären Musikstilen, zu zeitgenössischer Klassik, Schließung der Spielstätten, Kürzung der Fördermaßnahmen für lokale und nationale Projekte, ist für uns Musiker existenziell, aber doch nicht wirklich neu.
Von einer Metaebene gesehen bietet das Biotop „Jazz“ die Möglichkeit, mit seinem gesamten Diskurs, einen guten Einblick in die sich seit ca. 100 Jahren drastisch verändernden Prozesse unserer Gesellschaft zu gewinnen. Aus den vielen Beiträgen die hier schon gepostet wurden, lässt sich auch ablesen wie sehr die Bereiche Ästhetik, Politik, Ökonomie miteinander verwoben sind, was grundsätzlich immer schon so war, aber für den Einzelnen, in unserem Falle den Jazz-Musiker innerhalb einer neoliberalen Leistungsgesellschaft vor eine komplexe Problematik stellt.
Ich unterstütze als einen Lösungsansatz dieses Dilemmas, alle Bestrebungen über eine positive mediale Präsentation der kreativen Szene, sowie die anderen sich uns bietenden Möglichkeiten z.B. des Web 2.0, interessierten Menschen jenseits des Mainstream einen Einstieg in diese manchmal komplexe Musik zu geben.
Wichtig erscheint mir aber daran zu erinnern, dass wir mit Musik ein Lebensgefühl transportieren. Und gerade kreative Musik, hätte die Möglichkeit ein Lebensgefühl zu transportieren, das am Puls unserer Zeit ist und auf eine etwas andere Art und Weise das Gefühl wiederspiegelt, weswegen z.B. andere Menschen den Zucotti Park in New York okkupieren. Damit würden alle Fragen ob Jazz mehr Elemente des Pop oder vielleicht. besser designt sein müsste, damit sich Leute interessieren, schnell obsolet.
Als positives Zeichen könnte daher, das von Angelika Niescier initiierte Festival “Winter Jazz” nach dem New Yorker Vorbild sein, zu welchem so viele interessierte Musikliebhaber kamen, dass man den Eindruck bekommen kann, es stehe eigentlich gar nicht so schlecht um kreative Musik bestellt.
Den Link zu dem Artikel Michael Hornsteins findet man derzeit nur im Archiv der Süddeutschen Zeitung
Hier noch einige Links für interessierte Surfer:
# Der Jazz-Musiker-Aufruf mit dem alles begann.
# Jazz hat´s. …Nicht. Freitag Artikel von Jörg Augsburg
# Spiegel Online mit einer Rezension zum Kölner Winter Jazz
# Artikel der Redaktion Zeit Online [1] und [2]
Reaktionen der “Blogosphäre”:
# Emanuel Zaja
# Martin Meusinger
# Michael Rüsenberg
# Tobias Haecker
Buch Tipp zum Thema:
Jacques Ranciere: Das Unbehagen der Ästhetik, Passagen Verlag, 2008
mit einer Rezension von artnet.de










