Nun, es gibt wirklich eine fast unüberschaubare Menge an Literatur für den aufstrebenden Jazz Gitarristen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle einige meiner persönlich favorisierten Bücher vorstellen, die Helfen könnten, wenn man sich in die ein oder andere Stolperfalle verstrickt hat und wieder herauszukommen möchte, wenn man Neue Ideen für einen immer trister werdenden Übungsalltag sucht oder man noch Material zur Vorbereitung auf die nächsten Jazz Aufnahmeprüfung sucht.
Übungsstrategien:
David Berkman: “The Jazz Musician´s Guide to Creative Practicing” Sher Music

Mir hat dieses Buch gefallen, da es einige hervorragende Übungsanregungen z.B. zu Giant Steps, Body and Soul, Rhythmn Changes oder “Fast Playing” gibt. Darüber hinaus ist es sehr witzig geschrieben und mit schönen Jazz Anekdoten angereichert. Unbedingt antesten!
Jerry Bergonzi: Inside Improvisation Series, Vol2. Pentatonics, Advance Music

Pentatoniken sind für Gitarristen oft der einfachste Weg mit dem Improvisieren zu beginnen, da Pentatoniken eine gute Balance zwischen einer Skalen und Arpeggio-orientierten Spielweise darstellen.
Aus diesem Grund haben in der Jazz Geschichte großartige Instrumentalisten wie John Coltrane, Michael Brecker, oder Charlie Mariano Pentatoniken benutzt, allerdings gingen deren Möglichkeiten oft über die Verwendung einer Moll7 Pentatonik hinaus.
Jerry Bergonzi stellt in diesem 2.Band seiner Improvisationsserie ein Konzept vor, dass uns kreative Improviasationsmöglichkeiten anhand von Pentatoniken bietet und man beginnt zu verstehen warum z.B. Robben Ford oder Larry Carlton so gut klingen.
Barry Finnerty: The Serious Jazz Book II, Sher Music

Sehr viele Übungen zu Arpeggios und Skalen. Darüber hinaus gibt es gute Tipps zum Spielen über Changes. Ich fasse mich zwar kürzer als sonst. Schaut trotzdem mal rein.
Hal Galper: “Forward Motion” a Corrective Approach To Jazz Phrasing” Sher Music

Hal Galper bietet fortgeschrittenen Musikern eine Methode um die Jazz Phrasierung mittels Übungen in den Bereichen Rhythmus, Melodik und Harmonik zu verbessern.
Jazz Phrasierung ist eine der am schwierigsten zu vermittelnden Elemente im Jazz, da sich diese eigentlich eher über die Transkription von Soli erarbeiten lässt, als über abstrakte Übungen. Aus diesem Grund leistet dieses Arbeitsbuch gute Dienste und verdient eine Sonderstellung in der Jazz Literatur.
Akkorde – Voicings:
Bret Willmott: “Book of Harmonic Extensions for Guitar”, Mel Bay

Fast alles was man in einer Lebensspanne als Gitarrist voicingtechnisch ausprobieren kann, wird hier vermittelt. Wer darüber hinaus noch mehr Ideen für Voicings benötigt, bestellt sich am besten die Bücher von Mick Goodrick.
Brett Willmott behandelt Drop 2´Voicings, Quartenvoicings, spezielle modale Voicings und vermittelt das ganze anhand praxisrelevanter Jazz Standards wie z.B. All The Things oder Giant Steps.
Komposition: Ron Miller: “Modal Jazz Composition & Harmony” Vol.1, Advance Music

Wer sich für moderne Jazz Komposition im Stile von Wayne Shorter, Herbie Hancock, Pat Metheny, Kenny Wheeler interessiert, dürfte bei Ron Miller interessante Ansätze und Analysen oben genannter Musiker finden.
Ludmila Ulehla: “Contemporary Harmony”, Romanticism Through 12 Tone Row, Advance Music

Romantizismus durch die 12 Ton Reihe, bei diesem Untertitel werden, einige die Augenbrauen hochziehen und sich Fragen, wie dies zusammengehen soll und die anderen werden dies Buch schnell wieder wegstellen, da fast jeder mit der 12 Ton Musik Arnold Schönbergs einige ungute Erfahrungen gemacht haben dürfte. Trotzdem handelt es sich bei dieser Harmonielehre um eines der spannendsten Bücher um zeitgenössische Komposition zu verstehen, da man Schrittweise nachvollziehen lernt wie moderne Komponisten, auf ihrer Suche nach Neuen Ausdrucksmöglichkeiten sich einer Zeitlang immer mehr der Chromatik zuwandten.
Ich vermute David Liebman würde dieses Buch ebenfalls empfehlen.
Es bietet sich an dies Buch parallel zu Alex Ross´Buch “The Rest Is Noise” zu lesen (s.u.), da sich auf diese Weise die Geschichte und die zurundeliegenden Ideen der Musik des 20 Jahrhunderts besonders gut nachvollziehen lassen.
Musikgeschichte:
Amira Baraka: Blues People – Von der Sklavenmusikzum Bebob, Orange Press
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Ein gut zu lesendes Buch mit einer differenzierten historischen und soziologischen Analyse der Lebensumstände, ohne in typische Klischees zu verfallen. Gesellschaftspolitische Bewegungen und Veränderungen im Amerika des 20. Jahrhunderts verknüpft er mit der Weiterentwicklung des Blues und erklärt die sich daraus entwickelnden Musikstile wie R & B, Swing und Jazz.
Dies Buch ist zu einem Klassiker der Jazz Musikwissenschaft geworden, denn Amira
Baraka schildert die Entstehung des Blues, als ein spezifisch afro-amerikanisches Phänomen unter besonderer Berücksichtigung oraler Wissenstradierung, West Afrikanischer Kulturen. Er erklärt die Praxis oraler Tradierung zu einem wesentlichen Element kultureller Konstitution und Wissensarchivierung und analysiert die daraus entstehende Konsequenzen im Gegensatz zu einer europäischen Notationspraxis.
Dies hört sich erst mal nicht so spannend an, ist es aber doch, da dem Leser bei der Lektüre klar wird, warum Jazz, Blues und verwandte Stile in mehrerlei Hinsicht einzigartig sind.
George E. Lewis: “A Power stronger than itself”, University of Chicago

George E. Lewis´s jazzgeschichtlicher Gegenentwurf zu Büchern von Joachim Ernst Behrendt, Arrigo Polillos oder Michael Jacobs.
Wer skeptisch bei dem Gedanken wird, dass sich Jazz in Dekaden weiterentwickelt haben soll und darüber hinaus keine Berührungsängste mit kreativer Musik (manche würden wohl eher von Free Jazz sprechen), kann hier einen Zeitzeugen erleben, der sowohl die Geschichte der 1962 von Muhal Richard Abrams gegründeten Association for the Advancement of Creative Musicians (AACM), als auch die Lebensumstände der Musiker beschreibt, die abseits vom Mainstream ihre Vision zeitgenössischer Musik verwirklichten.
Alex Ross: The Rest is Noise, Listening to the 20th century, Picador

Rick Peckham, Professor der Berklee Gitarrenabteilung, (Boston MA) empfahl uns, bei einer Masterclass den Musikkritiker und Autor Alex Ross, mit den Worten, dass es wohl momentan niemanden gäbe, der ein lesbareres Buch zur Musik des 20. Jahrhunderts und zeitgenössischen Komponisten geschrieben hat. Dem kann ich nur zustimmen. Auf der Homepage des Autors gibt es die Möglichkeit in ausgewählte Kompositionen hineinzuhören.