Frühjahr 2009

  


J. Pollock ? – A Dreidel Drawing

Ursprünglich hochgeladen von drurydrama

es ist schon interessant wie sich Dinge entwickeln und oft stelle ich im Nachhinein fest, wie richtig doch folgendes Zitat  ist:

“nichts führt uns dahin, wo es uns anfänglich hinzuführen verspricht”

leider ist mir entfallen wo ich dieses Zitat gelesen habe. 

Gerade eben erhielt ich einen Anruf von Bahattin Gemici einem türkischen Autor, der mir mitteilte, dass sich in diesem Jahr wieder einmal Gelegenheiten bieten würden, seine Gedichte musikalisch zu untermalen. Eine Entwicklungslinie an die ich gar nicht mehr gedacht habe, da unser letzter gemeinsamer Auftritt schon einige Zeit zurückliegt.

Obwohl ich eigentlich den Plan hatte in diesem Jahr, vor allem an einem Solo-Programm unter exzessiver Nutzung von Ableton Live zu werkeln, ergab sich durch eine Gig Anfrage die Gelegenheit an neuen Komposition für  mein Jazz Trio zu arbeiten.

Und obwohl ich dachte, ich würde mich in diesem Jahr weiterhin mit der Rezeption elektronischer Musik beschäftigen, stelle ich fest, dass ich über die Lektüre von George E. Lewis´ Buch:  “A Power Stronger than Itself” zurück zu Jazzimprovisierter Musik und Neuer Musik  gelange.

Diese Entwicklung ist insofern verblüffend, als dass ich vor kurzem noch steif und fest annahm, ich hätte diese Phase musikalischen Interesses verlassen. 
Die letzten Jahre standen daher auch mehr unter dem Fokus von Indie Pop, Folk, Alternativ Rock und Metal (letzteres zumindest unterrichtstechnisch) Tontechnik und dem Unterrichten, sowie der Veranstaltung eines Newcomer Festivals für meine Schüler.

Doch beim Hören der Werke von Muhal Richard Abrams, Anthony Braxtons, Evan Parker, Bill Dixons, Steve Lehman, Vijay Iyer und anderen kreativen Musikern, fiel mir deren Nähe zu Neuer Musik auf und ich verspürte wieder einmal Lust mich mit Igor Strawinsky und seiner Art der Orchestrierung oder mit Bartoks und Messiaens Harmonik zu beschäftigen.

An dieser Stelle noch zwei Buch Tipps:

Alex Ross: The Rest is Noise
Eine sehr gut lesbare und in den jeweiligen historischen Kontext einbettende Einführung in der Arbeit der Komponisten des 20. Jahrhunderts, ohne den Leser durch zu viel Fachjargon zu verstören.

Auf der Homepage des Autors finden sich sehr viel Audiosamples zu den jeweiligen Komponisten. 

Ludmihla Ulehla: Contemporary Harmony
parallel zu Alex Ross musikgeschichtlicher Einführung lese ich die Harmonielehre Ludmila Ulehlas, die von Debussys Verwendung der Ganzton Leiter, über die Poly Tonalität Bartoks bis hin zu kontrapunktischer Komposition im Stile Anton Weberns, Alban Bergs oder Arnold Schönbergs wenig Fragen offen lässt.
Zumindest ist mir kein vergleichbares Werk in deutscher Sprache bekannt, dass sich so gut lesen lässt.

Dies ist natürlich nicht immer einfach zu konsumierende Kost, aber wie schon Frank Zappa feststellte, sind wir von sehr viel einfach zu konsumierenden Musik umgeben und wie John Cage sagte, tut es manchmal Not, die Schönheit des Einfachen etwas zu verstecken, damit man sie wieder richtig genießen kann, wenn sie auftaucht.

and the rest is …

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