und dann gab es diese Woche noch …

oder auch: ein Konzertbericht zu “The Mars Volta”

The Mars Volta in Concert

eigentlich wollte ich “The Mars Volta” schon 2005 beim allerersten Aerea4 Festival sehen, doch leider hatten sie damals abgesagt. Mehr oder weniger durch Zufall stiess ich auf diese progressiv Rock-Band, die Elemente des, Pschychodelik, Jazz, Kraut-Rock, Funk, Hardcore, Ambiant und Latin Elemente vermischte und zwischen spanischen und englischen Texten hin und her wechselte.
Das Album hiess “Deloused in the Comatorium”. Flea spielte Bass, Rick Rubin produzierte das ganze und ich kam zu der Überzeugung das es nun wirklich nicht immer Jazz sein muss, wenn man spannende Musik entdecken wollte. Nur konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man diese Musik live in dieser Form umsetzen könnte. Ich dachte, dass ist bestimmt eine von diesen Bands die auf CD unglaublich ist, aber live eher eine Enttäuschung.

Tja und nun gab es am 08.03.2008 im Kölner Palladium die Möglichkeit sich mit eigenen Ohren und Augen davon zu überzeugen, dass moderner Progressiv Rock mit “The Mars Volta” eine weitere spannende Facette enthält, neben modernen Bands wie “Tool”, “65 Days of Static”, “Opeth”, oder aber auch “Dream Theater” (die aber leider durch ihren klinischen Perfektionismus schon wieder langweilen).
Das Publikum war bunt gemischt von neo-hippies über post-hardcore Fans bis hin zu “ex-existentenzialisten die jetzt aber auch nicht mehr an Derrida glauben”.

Es folgten fast drei Stunden Wahnsinn. Der Sänger Cedric Bixler-Zavala machte auch mich oft den Eindruck eines Yoruba oder Santeria Anhängers, der sich mit der Musik immer mehr in Trance steigerte, sich auf dem Boden wälzte, vom Ampstack des Gitarristen sprang, den Becken Ständer des Trommlers in das Publikum warf. Der Gitarrist Omar Rodriguez-Lopez, sah dem jungen Carlos Santana ähnlich, bewegte sich wie Angus Young und kam tatsächlich mit seinem Spiel manchmal Jimi Hendrix nahe. Die eigentlich Sensation war für mich allerdings der Trommler Thomas Pridgen.

Für mich war er der geheime Zeremonienmeister des Abends und die Musik von The Mars Volta wäre nur halb so viel Wert ohne diesen Musiker. Wie man auf so eine kranke Art und Weise in einen Song einsteigen kann ist mir unbegreiflich. Und als Mitmusiker sollte man ein gutes Rhythmusgefühl haben, wenn man in dieser Band mitspielen möchte, sonst hat man den Beat schon verloren ehe angezählt wurde.

Leider erhielten die anderen Bandmitglieder relativ nur wenig Raum sich solistisch hervorzuheben. Etwas mehr Abwechslung hätte dem ganzen Abend bestimmt gut getan.
Höhepunkt des Abends war für mich die “acoustic-session” mit zwei spanischen Songs, begleitet von von den beiden Gitarristen. Nach den vorherigen Sound-Welten, wirkten diese beiden Songs durch ihre Einfachheit wie kleine Juwelen.

Insgesamt war das Konzert eine runde Sache, und jedem der sich für kreative Musik interessiert, ist “The Mars Volta” auf jeden Fall zu empfehlen.

Kunst ist schön aber sehr schwer …

oder auch: ein Konzertbericht zu Autechre

Kunst ist schön…

Als neugierig veranlagter Mensch und Musiker hatte ich gestern die
Gelegenheit, die britische Formation Autechre, von ihren Liebhabern
auch gern “ae” abgekürzt, zu erleben.

Ich war durch die CD´s “untilted” (warp 2005) und “Quaristice” (warp 2008)
ungefähr darauf vorbereitet, was mich erwarten würde.
Aber was dem Publikum im Kölner Stadtgarten in Wellen an Sound, Rhythmus und
Intensität entgegenbrandete, verschlug mir die Sprache, verstörte, brachte mich kurz
zum Nachdenken …, tja und dann war das Konzert auch schon wieder vorbei.

Bei “Autechre” handelt es sich um Vertreter der Sparte “idm”, also zu deutsch:
intelligent dance music“.
“Der Begriff soll vor allem ein Hinweis darauf sein, dass vom Hörer Intelligenz gefordert wird, womit gemeint ist, dass die Musik nach normalen Popmusik-Maßstäben schwer zugänglich ist. Die Musikstücke sind im Gegensatz zu Techno verspielter, melodiöser und vielschichtiger”.
[Zitat Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligent_Dance_Music ]

Nun dies klang doch erst mal ganz vielversprechend.
Die Musiker der Vorband SND, der DJ Rob Hall (zum Einheizen) und “Autechre” selbst betreten ohne viel Brimborium die Bühne.
Es gibt kein spezielles Bühnen-Licht, keine Show, keine Ansagen. Es scheint, als würden die Musiker mit ihren Egos in den Hintergrund treten, um auf diese Weise die Musik für sich sprechen lassen wollen.

Oder haben sich die Computer-Instrumente diese Menschen ausgesucht, welche aber als Vermittler eigentlich keine wesentliche Rolle spielen? Lächerlich ? Dieser Gedanke würde allerdings unser gewohntes Subjekt – Objekt – Denken auf den Kopf stellen. Die Atmosphäre auf der Bühne wirkt konzentriert bis angestrengt, es hat wohl mehr etwas mit Arbeit zu tun, was unsere Helden da anstellen. Ob die Musiker Spaß an dem haben, was sie tun, ist nicht auszumachen. Lachen habe ich sie jedenfalls nicht gesehen.

Die Sounds und Rhythmen werden übereinander getürmt, durch Filter verändert, wieder dekonstruiert, neu zusammen gesetzt. Das Ganze ist hoch abstrakt, da sich Vieles in ungeraden Metren abspielt, Melodien eher erahnbar sind und die Phantasie des Zuhörers fordern. Diese Musik ist also defenitiv nichts für eine “Tante Inge”, die einen leidenschaftlichen Hang zur Volksmusik hat.

Apropos Volksmusik, man könnte sich auch vorstellen, dass die Musik von einem fremden Planeten stammt und manchmal habe ich den Eindruck, dies könnte Musik sein, die sich die Umsetzung der Dreidimensionalität in Klänge auf die Fahnen geschrieben hat, da sich durch die Polyrhythmik und die Räumlichkeit der Sounds Klänge wie Ebenen in einer trigonometrischen Kurvendiskussion anfühlen.

Im Gegensatz zu den CD´s empfand ich die Musik als beat-orientierter, wobei festzuhalten bleibt, dass das Gehörte Lichtjahre von dumpfen viertel-orientiertem Techno entfernt war.
Nach normalen Pop-Maßstäben war die Musik schwer zugänglich. Kritiker würden dem Ganzen bestimmt eine Form der Gefühlskälte attestieren, denn es gab durch fehlende oder nur schwer zu erkennende Melodien keinen Raum für Romantisierungen. Man stelle sich ein verliebtes Pärchen vor, dass in der Disco noch einmal “ihr Lied” z.B: “augmatic disport” hören möchte.

Dies war mit Abstand eines der aufwühlendsten und anstrengensten Konzerte, die ich seit Langem gehört habe, ich fand es aber auf jeden Fall horizonterweiternd.
Wenn die Musik der Aufklärung mit einem der großen Komponisten wie Beethoven die Idee des “Ich” thematisierte, so ist dies vielleicht Musik die den Begriff des “Ich” als personalisiert werkschaffendes Subjekt auflöst und an dieser Stelle dem Computer einen größeren Raum an Klang, Sound und vielleicht sogar Musikproduktion zubilligt, als es jemals bisher der Fall gewesen ist.
In einer Welt, in der jeder über digitale Medien alles sagen bzw. schreiben kann, jedoch niemand mehr zuhört, ist es vielleicht folgerichtig, Musik zu konsumieren, in der eine gewisse intentionsfreie Komponente beabsichtigt ist.

Ich werde mir mal Squarepusher live anhören, sollte er einmal in unsere Gefilde kommen.
Ich vermute und hoffe, dort etwas mehr an melodiösem und formorientiertem Material finden zu können, was mir das Ganze als Hörer etwas einfacher macht, ohne gleich in die Peinlichkeiten von EinsLIVE oder anderen Mainstream-Sendern abzudriften.

bes dämnexht